Donnerstag, 2. November 2017

Schreibkick #47: Nabelschwaden

Ich bin grauer Dunst,
bin Nebelschwaden,
die alles verschlucken und verstecken,
vor allem jede weiche Seelenregung.

Ich bin eine Welle in einem tiefen Meer
und verberge jedes Ungeheuer,
das sich nach Träumen reckt,
vor allem den zarten.

Ich bin eine Flamme,
orange und leuchtend,
lass ich alles verschwinden,
vor allem Gutglauben.

Ich bin ein Schatten,
tauche ins nichts Antworten
auf die vielen Fragen,
vor allem die nach uns.

Ich bin ein Raum
und mache das Licht aus.
Im Dunkel kribbelnde Erinnerungen,
vor allem an die Liebe.

Ich bin eine Frau.
Lege unsere Geschichte ab
wie Kleider, die nicht passen,
vor allem drücken und pressen.

Ich bin ein Mensch und tuemache,
vergesse die Unvollkommenheiten,
die zuerst nur leise schreien,
vor allem die zwischen uns.

Wir radieren uns aus,
langsam und gewissenhaft,
vor allem die Stellen
an denen wir uns reiben.

Wir sind leer und fragen uns,
wo wir geblieben sind,
vor allem der Rest, der übrig bleibt
wenn man das Unvollkommene weglässt.

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Schreibkick #46: Herbstfarben

Langsam färbt sich meine Seele rot
und meine Glieder ziehen sich zusammen.
Silberfarbenes Rauschen,
blasses Leuchten in der Sonne.

Ich im pfeifenden Wind,
trete mich vorwärts und vorwärts,
trete mich auf und ab,
muss nirgendwo hin.

Brauche keinen Platz zum Halten,
muss niemanden fragen nach dürfen,
brauche kein Schloss,
um mich zu sichern.

Kann mich in Zeitlupe bewegen
und mich nach Vorne schießen,
mich klein und groß machen.
Ich kann anders.

Muss nicht schieben und nicht ziehen,
muss nicht zielen auf irgendwas,
muss nirgendwo richtig
und kann daneben liegen.

Kann die Zeit anhalten,
behalte nur mein Fahrrad.
Will weiterfahren, immer gerade aus
und nie ein Ende finden.

Fahren bis es graut und kaltet.
Fahren bis es wieder grünt.
Fahren bis der Fahrtwind schweigt
und die Beine nachgeben.

Fahren bis keine Wörter übrig sind,
bis jede Geste weggewischt ist,
bis sich alles auflöst in mir,
bis ich leicht und offen bin.

Fahren bis ich aufhöre zu denken,
weil ich in Bewegung bin.
Immer nach vorne, manchmal im Kreis
aber nie zurück.

Endlich ist meine Seele rot vor lauter Leben.

Mittwoch, 2. November 2016

Schreibkick #34 Höhe



Zeig mir,
wo deine Hoffnung klemmt,
denn vielleicht gibt es was,
was sich gegens Hoffen stemmt.

Lass uns forschen,
stumm oder laut,
wie du kannst und wann du dich,
wie ein Mensch fühlst.

Was du isst, wenns in dir schnurrt,
was nicht stimmt, wenns in dir murrt.
Was du spielst, wenn du lachst
und auf einmal Witze machst

Wen du triffst,
wenn es in deiner Seele
trockenwarm ist oder
du eine Wolke am Himmel bist

Was du schaust,
wenns dich berührt,
was passiert,
wenns dir die Luft abschnürt.

Was du erlebst,
wenns dich zittert und bebt,
was du liest
wenns deine Ideen schwebt

Was du riechst,
was dich entspannt,
was du träumst,
wenn Energie dich umarmt.

Was du sagst,
wenn du voller Leben schreist.
Was du denkst, wenn du weinst
und dich verloren meinst.

Was du tastet,
wenn du dich wunderst.
Wie du dich hälst,
wenns dich zieht.

Lass uns dich kennenlernen
Wie einen fremden Planeten.
Lass uns Entdecker sein,
tauchen, reisen, Lebendurst stillen.

Abenteurer, nicht immer mutig,
denn wir können wachsen.
Nicht nur hoch,
sondern Eigenartig.

Sonntag, 2. Oktober 2016

Schreibkick #33 Zufall

Ich wollte irgendwohin und jetzt bin ich im Nirgendwo gelandet.
"Bin ich der Meister meines Schicksals?" rufe ich in den Wind.
Die Welt schweigt, es fängt an zu regnen. Ich bin still beim nasswerden.
Hatte ich mir vorgenommen, trocken zu bleiben? Ich weiß es nicht mehr.
Ich stehe da und zittere. Meine Hände sind klamm und meine Lippen taub.
"Ich bin der Meister meines Schicksals" sage ich leise. Die Welt schweigt.

Schließlich kommt Sonne und wärmt mich, macht mich erst trocken dann müde und schwer.
Ich will nur noch liegen, aber ich bin der Meister meines Schicksals, denke ich und gehe.
Verlaufe, verirre und verwirre mich. Beine verknotet, weiche Knie, Brennen in der Kehle.
Ich gehe weiter bis ich endlich wo ankomme. Dort treffe ich dich und wir reden.
"Was für ein Zufall", sagst du und ich zögere.

Es hat geregnet und ich bin nassgeworden, es war heiß und ich habe geschwitzt,
der Weg war verwinkelt und ich hab ihn verloren, dieser Ort war hier und ich hab ihn gefunden.
Du warst auch hier und ich habe dich getroffen. Viel ist passiert, aber gelebt habe ich.
Ich lächle. Ich bin der Meister meines Schicksals.

Und doch wird hier vielleicht eine Geschichte über die Liebe entstehen und den Zufall.
Und wir werden vergessen, wie wir sie erlebt haben und nur noch wissen, wie sie passiert ist.
Unser Leben wird ein - dann ist es passiert - oder ein - dann ist es nicht passiert.
Wir werden Passiert-Listen machen und auswerten, unser Glück bewerten.
Oder wir halten kurz an und checken die Innenansicht.
Entdecken den Traumzielverstandspiel-Chaoten, unseren Moment-piloten.
Und wissen wieder: Ein Moment ist nicht richtiger oder falscher. Er ist. So wie wir.

"Ja vielleicht Zufall", sage ich, lächle und rutsche in den nächsten Moment.
Aufgeregt, nervös, fast gelassen. Du könntest zurücklächeln oder auch nicht.
Ich könnte dann alles, mich freuen und weitersprechen oder dich beschimpfen,
mich bemitleiden, mich beschimpfen, lachen, denn ich bin der Meister meines Schicksals.

Und ich bin unterschiedlich nett.

Mitschreiber:
https://nicolevergin.wordpress.com/2016/10/01/schreibkick-zufall/
http://sabi-writing-whatever.com/2016/10/01/schreibkick-33-zufall/
https://evasgeschichten.wordpress.com/2016/10/01/schreibkick-zufall/
http://vrojongliert.blogspot.de/2016/10/schreibkick-zufall.html
- schaut mal rein! :)

Freitag, 2. September 2016


Nachrichtenhummeln

Gedankenhummeln

Liebeshummeln

Hungerhummeln

Arbeitshummeln

Schreibenhummeln

Sporthummeln

Freundeshummeln

Reisehummeln

Sternenhummeln

 

Alles hummelt.

Nur meine Träume nicht

Denn sie sitzen auf ihrem Hintern

und warten

Weil sie denken sie müssen abnehmen.

 

Ich nehme sie an die Hand

Und lass sie das Hummeln

Sehen, fühlen und tasten

Lasse sie lächeln

Damit sie sich leichter fühlen.

 

Langsam und unsicher nehmen sie Anlauf

Springen fast zaghaft

aufs ende gefasst

dann wildes Flattern und

Staunen.

 

Ich atme durch.

Vielleicht habe ich gewichtige Träume,

aber das muss mich nicht abhalten.

Denn wenn es schwer wird

kann ich immer noch hummeln.

 

 

 

Dienstag, 2. August 2016

Sommerflirren

Regen liegt in der Luft,
doch noch fällt kein Tropfen.
Ich hoffe auf stummes Gewitter,
denn ich will nichts verlieren.
 
Aber Pflichten kitzeln den Himmel
bis es dunkel wird
und in mir kommt Wind auf,
zupft an meinen Herzpartikeln.
 
Ich zittere und wünsche
leise Donner und behutsame Blitze
ein harmloses Unwetter oder
wenigstens ein Stück Regenbogen.
 
Nur ist die Luft kühl,
dicht vor wenns und schwer vor Abschied.
Jetzt ahne ich,
was ich habe ist zerbrechlich
 
Furchtsam warte ich
Der Sturm kommt
und ich stehe fast allein
mit meinen Herzpartikeln.
 
Sie wärmen meine Hände
und trösten meine Gedanken
Langsam begreife ich.
 
Wir werden einander nicht verlieren.
Wir werden nur gemeinsam nass.
 
 
 
 

Dienstag, 31. Mai 2016

Schreibkick Eis


Eiswut fegt mich hin und her
Warum kann ein Fremder
Mehr Recht behalten
und sich in meinem Raum entfalten

Viele Worte und ein Ergebnis
Die Wut bleibt stumm
Es ist nur ein Sommereis,
das leicht gelutscht wird

nur in mir tobt der Sturm,
protestieren die Zungen
und schürzen die Lippen,
nach außen leicht geknickt

Wut wüte mal
mach hier endlich mal Eiszeit
ich will endlich
eine kleine Katastrophe erleben

will mir nicht immer nur
Sommereis geben
will mal endlich ein Beben
etwas mehr Wellen in diesem Leben

schlagen und was erreichen
ohne vorher eine Schuld zu begleichen
nicht immer fair, nicht immer bedacht
denn manchmal brauchts Wut, die ernst macht
 
nicht immer nur brav ist und lacht
hinter der Hand
über all die Unverschämtheiten
und Unverträglichkeiten

manchmal braucht es den Handschuh
im Ring und man muss mal laut werden
um endlich mal Grenzen zu merken
die sonst leise murmeln und grollen

bis hierhin und nicht weiter
heißt es dann
wenn mich die Leine der Furcht
nicht länger halten kann
 
dann bau ich endlich die Schilder ab
die eh niemand liest
weil mir die Wut meistens
nur selbst die Laune vermiest
 
Dann bin ich mal wild und gefährlich
Bin endlich mal wutehrlich
Und kann mich entscheiden
Mich zu wehren

Also machs gut Sommereis
denn jetzt wirds Zeit
Für etwas mehr Wuthagel
und etwas weniger Süß.